Schlagwort: Gemeinschaffen

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    Weltregierung oder Global Governance?


    Weltregierung?

    Schon vor 2 1/2 Jahren hatte ich hier vielleicht so manche damit überrascht, dass ich eine Weltregierung als möglicherweise gar nicht schlecht dargestellt habe. Das war im Beitrag Wann schränken wir endlich die Souveränität von Staaten und Konzernen ein?. Es bleibt natürlich dabei, dass ich als (innerer) Anarchist Regierungen aller Art grundsätzlich ablehne. Dennoch habe ich als Anarchist 70 Jahre Grundgesetz gefeiert und kann Winston Churchills bekanntem Zitat einiges abgewinnen:

    “Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen – abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.”

    Zur Erinnerung, damals schrieb ich:

    Die Herausforderungen der Menschheit sind heute global, deshalb brauchen wir globale Institutionen, die damit umgehen können. Was wir nicht mehr brauchen, ist ein einzelner Nationalstaat, der sich selbst zum Weltpolizisten aufspielt. Wir brauchen echte Weltpolizisten, die das Mandat der Weltgemeinschaft haben. Wir brauchen auf der gesamten Erde verbindlich geltende Regeln, wie wir miteinander und mit der Erde wirtschaften. Ja, vielleicht brauchen wir tatsächlich eine Weltregierung, die befugt ist, überall auf der Erde für alle Menschen geltende Regeln durchzusetzen.


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    Stolzer Mieter eines Kopfhörers


    Die Überschrift spielt auf eine aktuelle Werbekampagne der Grover Group an. Bei denen heißt es z.B. “Stolzer Mieter eines Laptops” oder “Stolzer Mieter eines Tablets”. Grover? Who the fuck is Grover? Von denen hatte ich bisher noch nie gehört – der verlinkte Wikipedia-Artikel gibt Auskunft:

    Die Grover Group (kurz: Grover) ist ein deutsches Unternehmen mit Sitz in Berlin, das über eine Online-Plattform Elektronikgeräte vermietet. Grover kauft Geräte und verleiht sie per Abonnement anschließend an seine Kunden. Das Unternehmen hat 2500 verschiedene Artikel im Angebot (Stand April 2021) und gilt als „Europas Marktführer im Miet-Commerce für Unterhaltungselektronik“.

    Es geht also in den Worten von Michael Braungart um Serviceprodukte.

    Und, wie ich im Beitrag You’ll own nothing, and you’ll be happy schon schrieb

    Denn solange die Eigentumsverhältnisse an den Produktionsmitteln so sind, wie sie sind, kann “You’ll own nothing” nur bedeuten, dass die globale Kapitalistenklasse dann endgültig die Eigentümerinnen von allem werden – eine Neuauflage des Feudalismus. Der Knackpunkt, den auch Braungart weitestgehend ausblendet, ist also: Serviceprodukte sind nur dann sozial gerecht möglich, wenn die Unternehmen den Menschen gehören, die dann ihre Serviceprodukte mieten.


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    You'll own nothing, and you'll be happy


    Der Great Reset des Weltwirtschaftsforums

    Das Video mit den “8 predictions for the world in 2030” sorgt in den letzten Monaten für viel Aufruhr. Es stammt übrigens schon aus dem Jahr 2016. Der Grund, warum das seit Corona hochgekocht ist, ist natürlich der Great Reset des Weltwirtschaftsforums (WEF). Das Motto des WEF-Treffens in diesem Jahr lautet “The Great Reset”, und es greift diese “Vorhersagen” aus dem Jahr 2016 auf. Von den insgesamt 8 “Vorhersagen” konzentriere ich mich in diesem Beitrag auf die erste, die auch den Titel dieses Beitrags bildet:

    You’ll own nothing.
    And you’ll be happy.

    Zu deutsch: Du wirst (im Jahr 2030) nichts mehr besitzen, und du wirst glücklich damit sein. An dieser Stelle kommt schon eine Übersetzungs-Unschärfe ins Spiel, denn “own” meint genau genommen nicht besitzen, sondern Eigentümerin sein. Besitzen werden wir natürlich auch im Jahr 2030 noch alle möglichen Dinge, aber laut dem WEF werden diese alle gemietet sein:


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    Wenn Diskursgrenzen Herrschaftsverhältnisse unsichtbar machen und warum Diversität trotzdem wichtig ist


    Diversität als Thema bei der Bewegungsstiftung

    Dieses Wochenende war ich bei der Online-Strategiewerkstatt der Bewegungsstifung, die das Schwerpunktthema Diversität hatte. Das Thema liegt mir bekanntlich sehr am Herzen; ich verweise als zentrale Anlaufstelle hier im Blog auf den Beitrag Rang und Privilegien in einer Nussschale. Vor ein paar Monaten habe ich endlich den lange geplanten Rang- & Priviliegientag hier in der Gemeinschaft veranstaltet, um auch hier das Bewusstsein für die Thematik zu verstärken.

    Dass das Thema erst jetzt (nach beinahe 20 Jahren Bestehen der Stiftung) so ins Zentrum gerückt ist, kann auf der einen Seite verwundern, denn wie ich in meinem finanziellen Coming out geschrieben hatte, warum mich die Bewegungsstiftung besonders angezogen hat:

    Dort entscheiden nämlich nicht allein die StifterInnen, wer zu welchem Zweck wie viel Geld bekommen soll, sondern die AktivistInnen der geförderten Projekte entscheiden über die Geldvergabe der Stiftung mit (mehr darüber in der Broschüre Den Wandel gestalten). Damit betreibt die Bewegungsstiftung keine undursichtige Wohltätigkeit wie die meisten anderen Stiftungen. Exemplarisch ist dabei in Deutschland die Bertelsmann-Stiftung zu nennen. Auch Warren Buffets Sohn Peter haut in die gleiche Kerbe, wenn er vom Charitable-Industrial Complex spricht. Aus dem Umfeld der Bewegungsstiftung ist u.a. die Initiative Vermögender für eine Vermögensabgabe entstanden, für die ich hier im Blog Gerhard Schröder werben lasse. Bei der Bewegungsstiftung gibst du als StifterIn also tatsächlich ein gutes Stück aus der Hand, was mit deinem Geld geschieht.


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    Meine Foucault-Begeisterung hat einen Dämpfer bekommen


    Mein Dank für die Inspiration, Michel Foucault kritisch zu hinterfragen, geht an die Freie Linke (siehe auch Puh, es sind doch nicht alle Linken staatstreu geworden). In deren Telegram-Kanal wurde ich auf die Beiträge von Gabriel Rockhill bei The Philosophical Salon aufmerksam.

    Angefangen habe ich dabei mit seinem Artikel über das Interesse der CIA an französischen Intellektuellen wie Foucault. Das dort besprochene deklassifizierte Paper France: Defection of the Leftist Intellectuals habe ich nicht mehr bei der CIA selbst gefunden, aber bei winter oak.

    Warum sollte die CIA den Poststrukturalismus für die eigenen Ziele nützlich finden? Rockhill schreibt dazu:

    Even theoreticians who were not as opposed to Marxism as these intellectual reactionaries have made a significant contribution to an environment of disillusionment with transformative egalitarianism, detachment from social mobilization and “critical inquiry” devoid of radical politics. This is extremely important for understanding the CIA’s overall strategy in its broad and profound attempts to dismantle the cultural left in Europe and elsewhere. In recognizing it was unlikely that it could abolish it entirely, the world’s most powerful spy organization has sought to move leftist culture away from resolute anti-capitalist and transformative politics toward center-left reformist positions that are less overtly critical of US foreign and domestic policies. In fact, as Saunders has demonstrated in detail, the Agency went behind the back of the McCarthy-driven Congress in the postwar era in order to directly support and promote leftist projects that steered cultural producers and consumers away from the resolutely egalitarian left. In severing and discrediting the latter, it also aspired to fragment the left in general, leaving what remained of the center left with only minimal power and public support (as well as being potentially discredited due to its complicity with right-wing power politics, an issue that continues to plague contemporary institutionalized parties on the left).


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    Die Wirklichkeit ist Allmende


    Dieser Andreas Weber schreibt so schöne Sachen, dass es mir jedes Mal aufs Neue das Herz erwärmt. Heute bin ich von Miki Kashtan kommend wieder bei ihm gelandet. Miki beschreibt in ihrem Text das Fließen des Lebens, und Andreas Weber tut das noch viel ausführlicher & poetischer. In seinem Buch Sein und Teilen lautet eine der Zwischenüberschriften des ersten Kapitels Die Wirklichkeit ist Allmende. Er schreibt dazu

    Der Begriff, der diese Perspektive beschreibt, ist die Allmende oder, im heute populären englischen Plural, die Commons. Allmende ist ein Geflecht von Beziehungen, durch die sich Lebendigkeit entfaltet. Allmenden kennzeichnen alle Bereiche des Lebendigen. Ökosysteme sind Allmenden – aber auch ein Großteil der Regeln, denen menschliche Gesellschaften folgen, indem sie allen nützen und alle sie erhalten. Materie und Sinn sind in der Allmende nicht getrennt. Lebendige Teilnehmer bringen einander durch Beziehungen hervor und produzieren damit ihre Identität.


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    Bitte fallt nicht auf Blockchain und Kryptowährungs-Quatsch hinein


    Hmpf. Da hatte ich gedacht, das Thema hier im Blog abgeschlossen zu haben, aber leider erweisen sich immer mehr Leute, die davon abgesehen eigentlich gute Ideen haben & gute Initiativen vorantreiben, in diesem Zuge auch als Blockchain- und Kryptowährungs-Fans. Deshalb versammele ich an dieser Stelle, warum ich das für eine ausgesprochen schlechte Idee halte.

    Aufschlussreich ist zu Beginn wahrscheinlich, dass die Idee von Kryptowährungen auf Basis einer Blockchain aus der anarchokapitalistischen bzw. libertären Szene kommt. Diese Leute habe ich aus gutem Grund schon vor Jahren hier im Blog als die Verblendetsten von allen bezeichnet – und das, wo ich mich selbst ja als (inneren) Anarchisten verstehe. Der Teufel steckt mal wieder im Detail. Bei Norbert Häring erfährst du Hintergründe zum libertären Traum vom Kryptogeld, auch Michael Seemann schreibt darüber in Blockchain für Dummies.


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    Mitfühlen und an Bedürfnissen orientieren statt Recht und Gerechtigkeit


    Nach langer Pause habe ich wieder bei Miki Kashtan reingeschaut. Ihre Artikelreihe Apart and Together hat inzwischen 10 Teile. Heute beziehe ich mich dabei auf den achten Teil Reengaging with the Full Range of Our Emotions.

    Darin geht es darum, sich den schwierigen Gefühlen zuzuwenden. Miki geht davon aus, dass fast die gesamte menschliche Gesellschaft, jedenfalls die so genannte “Zivilisation”, seit Jahrtausenden kollektiv traumatisiert ist. Und diese Traumatisierung vererbt sich von Generation zu Generation weiter. Wie kommen wir da jemals wieder raus?

    Miki meint in ihrem Artikel The Power of the Soft Qualities to Transform Patriarchy (& auch sonst), dass der erste Schritt ist, die Schrecken des Patriarchats zu betrauern. Wenn wir versuchen, es zu bekämpfen, haben wir schon verloren, weil das gerade der Modus des Patriarchats ist.


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    Ackerland jenseits von Spekulation


    Wer mein Blog schon eine Weile verfolgt, weiss, dass mir gesunde Böden durch aufbauende Landwirtschaft sehr am Herzen liegen, siehe Klimagerechtigkeit braucht die Agrarwende. Nun weht diesem Anliegen in unserem kapitalistischem Wirtschaftssystem ein heftiger Gegenwind entgegen. Denn mit Eigentum an Grund und Boden wird spekuliert, und das treibt die Preise hoch. Grundeigentum eignet sich dafür besonders gut, denn im Wesentlichen lässt sich der Boden nicht vermehren (sieht frau von künstlichen Inseln o.ä. mal ab).

    Das betrifft in besonderem Maße auch das Ackerland. Vor fünf Jahren bin ich deshalb Mitglied bei der BioBoden Genossenschaft geworden. Deren erste Generalversammlung führte zu meinem Beitrag Wir ziehen uns buchstäblich selbst den Boden unter den Füßen weg.

    Erst vor kurzem habe ich die Kulturland Genossenschaft entdeckt, obwohl diese schon 2014 gegründet wurde. Da bin ich nun auch frisch Mitglied geworden. Kulturland gefällt mir noch besser als BioBoden, weil sich Kulturland explizit als eine neue Allmende versteht. Damit reiht sich Kulturland in die Riege des Gemeinschaffens bzw. Commoning ein. Und während BioBoden bei guter wirtschaftlicher Entwicklung eine Dividende nicht ausschliesst, tut Kulturland das explizit.


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    Die Corona-Proteste um die Commons-Perspektive ergänzen


    Das Buch Die Welt wieder verzaubern. Feminismus, Marxismus & Commons von Silvia Federici inspiriert mich gerade dazu, meinen Beitrag über Die Einhegung der Allmende auf Steroiden durch die Corona-Maßnahmen mit den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen zusammenzubringen.

    Denn das ist eine Perspektive, die ich dort neben der linken ganz besonders schmerzlich vermisse.

    In meinem Beitrag zur Demo am 1. August hatte ich ja geschrieben

    Allerdings habe ich den Eindruck, dass da morgen im Wesentlichen zwei verfeindete Fraktionen des Weiter so wie bisher aufeinander prallen werden, die die Lage völlig unterschiedlich einschätzen.

    sowie

    Diese Freiheit ist aber auch die Freiheit unseres kapitalistischen Ausbeutungssystems, fröhlich weiter Menschen und alle anderen Wesen auf der Erde sowie die Erde selber auszubeuten bis es kracht.

    Andererseits verhindern gerade die autoritären Maßnahmen, Widerstand gegen diese Einhegung und Ausbeutung zu organisieren. Lockdown bedeutet letztlich nichts anderes, als dass der Staat den Menschen das Gemeinschaffen verbietet. Denn dazu müssen wir uns treffen, uns körperlich nahe sein, gemeinsam bereden, was wir wie zusammen tun wollen, und es dann auch zusammen tun. Genau das erschweren bis verhindern die Staaten aber weltweit in unterschiedlichem Ausmaß. Make every home a prison today.


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