Schlagwort: Worldwork
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Haben wir uns zu viel vorgenommen?
Bei dieser Überschrift stellt sich zunächst die Frage, wer ist eigentlich “wir”? Nun, ich beobachte, dass diese Frage auf vielen Ebenen sinnvoll gestellt werden kann.
Fangen wir bei mir an: Als ich in die Antinous Gemeinschaft kam, hatte ich vor, bald selber in die Workshops einzusteigen; anfangs als Assistent, später wollte ich dann auch eigene Workshops (mit)gestalten. Und darüber hinaus wollte ich sogar einen Floating-Tank betreiben & auch das in Workshops einbinden.
Relativ schnell stellte sich heraus, dass sich weder das eine noch das andere so schnell in die Tat umsetzen liess. Und an diesem Punkt habe ich jeweils die weise Entscheidung getroffen, “na dann eben (noch) nicht”, & bin dem Fluss des Lebens gefolgt. Wohin mich das bis jetzt geführt hat, beschreibt u.a. der Beitrag Ich werde konservativ. Als mir klar wurde, dass ich mir zu viel (oder jedenfalls zu viel vom Falschen) vorgenommen hatte, habe ich in dem Bereich schnell die Kurve gekriegt.
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Sesshaftwerdung als erster Clusterfuck der Menschheitsgeschichte
Kaum hatte ich den Begriff entdeckt, habe ich mir auch schon das Clusterfuck-Buch bestellt. Sehr erhellend! Ich habe bisher nur wenig darin gelesen & erst mal beim zweiten Kapitel “Die Geister, die ich rief” angehalten. Denn darin fällt der Satz
Die Sesshaftwerdung kann für sich reklamieren, der erste veritable Clusterfuck der Menschheitsgeschichte gewesen zu sein.
Diesen Beitrag schreibe ich auch zum Verkaufsstart der deutschen Übersetzung von James C. Scotts Buch “Against The Grain”, das ich hier im Blog schon mal angekündigt hatte. Das habe ich übrigens immer noch nicht angefangen zu lesen, obwohl sich die Gründe dafür mehren.
Ein weiterer Grund ist nämlich Sergius Golowin, dessen Buch Das Reich des Schamanen: Der Eurasische Weg der Weisheit ich gerade lese. Darin beschreibt er, wie die Fahrenden Völker des Ostens die europäische Kultur immer wieder neu befruchtet haben. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Mongolen, die Hunnen und die Tataren (im Altertum sprach man auch von den Skythen).
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Imperium im Endstadium
War ja klar, dass schon andere vor mir auf den Gedanken gekommen sind:
Diese Analogie liegt ja auch sehr nahe.
Public Radio International März 2019
Süddeutsche Dezember 2016 – auf den beiden Porträts sehen sich Trump & Nero erschreckend ähnlich
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Unsere Heimat nicht den Rechten und dem Kapital überlassen
Die aktuelle Oya besteht ja hauptsächlich aus Interviews mit Leuten, die mit Oya bisher wenig bis nichts zu tun hatten. Das Gespräch von Leonie Sontheimer mit Thembi Wolf hat mich nun so aufgewühlt, dass ich mich dazu hier im Blog äussere.
Ich war entsetzt, als ich diese Äusserung von Thembi Wolf las:
Ja, du kannst den Begriff nicht nur gruselig, sondern auch positiv nutzen. Aber wenn ich eine Oya sehen würde, auf deren Titel »Heimat« stünde, würde ich trotzdem Gänsehaut bekommen, selbst wenn es ganz anders gemeint wäre. Ich wäre dann sicher, dass die Ausgabe nicht für mich geschrieben wurde. Ich hätte dann das Gefühl, dass da jemand nicht nachgedacht hat, was der Begriff für mich bedeutet. Für mich ist er definitiv mit AfD, mit Rechten konnotiert. Am liebsten wäre mir, das Wort würde verschwinden.
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Kognitive Dissonanz
Das hier war letzten Sommer in Ramallah. In der Westbank.
Das erste DJ-Set, das mich zu Tränen gerührt hat.
Auch hier seht ihr palästinensische Terroristen bei der Arbeit:
Hier auch:
Die Doku dazu:
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Segel setzen für tiefe Demokratie
Der sehr tiefsinnige Dialog von François Michael Wiesmann und Dieter Halbach in der Oya zum Thema Gemeinschaft und Hierarchie inspiriert mich dazu, ein paar Stellen aus Arnold Mindells Büchern über tiefe Demokratie zusammenzustellen. Diese hatte ich hier im Blog schon einige Male erwähnt, so z.B. bei Alles gehört dazu und natürlich beim Worldwork in Warschau-Beitrag.
Tiefe Demokratie ist eine Haltung, die wahrhaftig endlich einen eigenen Beitrag verdient. Einige Ausschnitte aus Arnies Buch Der Weg durch den Sturm, das es beim Verlag für ganze 4,- € zu kaufen gibt:
Ebenso können die Werkzeuge der Weltarbeit nur erfolgreich eingesetzt werden, wenn gewisse persönliche Voraussetzungen erfüllt sind. Dazu gehört nach meiner Erfahrung vor allem eine bestimmte Einstellung, die Haltung der tiefen Demokratie, welche unerschütterlich an die Wichtigkeit aller Teile eines Ganzen glaubt, an die Bedeutung aller unserer Persönlichkeitsteile und aller verschiedenen Sichtweisen in der Welt um uns herum. Weltarbeit braucht einerseits bestimmte Werkzeuge, welche ständig angepasst werden müssen, je mehr wir über unseren Planeten lernen, andererseits beruht sie auf der tiefen Demokratie als einer zeitlosen Gefühlseinstellung.
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Kalter Krieg 2.0 – The Return of the Fulda Gap
Mir war schon recht bald klar, dass der Zusammenbruch des Ostblocks nicht automatisch das Ende des Kalten Krieges bedeutete. Die ganzen Atomwaffen waren ja schliesslich noch da, und immerhin die Abrüstungsverträge weiterhin in Kraft. Das ändert sich jedoch gerade. Eine wesentliche Rolle spielt dabei John Bolton, seines Zeichens Mitglied des Project for the New American Century und
des Center for a New American SecurityGründer der Foundation for American Security and Freedom. Der ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass die USA den INF-Vertrag über die Stationierung nuklearer Mittelstreckenraketen gekündigt haben. Auch die Verlängerung des New START-Vertrages über atomare Langstreckenwaffen steht auf der Kippe.Dieser Bericht von Monitor fasst die Lage zusammen: Hochrüsten um jeden Preis: Die neuen nuklearen Pläne der USA. Es droht die Stationierung vieler neuer Atomwaffen in Europa. Deshalb “The Return of the Fulda Gap”. Das weckt bei mir ganz persönliche unangenehme Erinnerungen, denn bekanntlich waren in meinem Heimatdorf Atomwaffen stationiert. Wahrscheinlich wird allerdings die Suwalki-Lücke der neue Fulda Gap.
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Solidarität mit Rojava
Mit Erstaunen habe ich gerade festgestellt, dass ich hier im Blog noch gar nicht meine Solidarität mit der Demokratischen Föderation Nordsyrien Rojava erklärt habe. Das hole ich hiermit nach. Anlass ist die Arte-Dokumentation Syrien: Rojava stellt Frauen gleich, die ich euch unbedingt ans Herz lege.
Wer tiefer einsteigen will, kann das mit dem Comic Kobane Calling tun.
Und lest euch auch mal den Gesellschaftsvertrag von Rojava durch.
Nachtrag vom 09.10.: Türkisches Militär raus aus Rojava!
Nachtrag vom 17.11.: Arte hat noch ne neue Doku über Rojava, Der Traum der Kurden: Rojava.
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Auch mal zusammenbrechen
Bei der letzten Schwitzhütte habe ich in der Weggebe-Runde meine hohen Ansprüche weggegeben. Als ich mich gestern mal wieder den Tag über mit Kopfschmerzen rumschlug, wurde mir klar, dass das auch für meinen Anspruch gilt, Spannungen auszuhalten. Wenn mir die Spannung zu viel wird, darf ich auch mal zusammenbrechen. Das heisst ja nicht, dass ich das bei der kleinsten Kleinigkeit schon tue. Ich muss mich aber auch nicht unnötig quälen. Und ich glaube auch nicht, dass das meine Makellosigkeit schmälert. Eher würde ich das tun, wenn ich übermäßig hart zu mir selbst wäre. Und als Regenbogenkrieger hole ich mir ohnehin Unterstützung, sobald mir etwas zu viel wird.
In diesem Sinne: Giving Up Everything.
Siehe auch Pleite als Metamorphose?, Aufgeben ist eine wichtige Konfliktlösungsstrategie und Sterben lassen.
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Verbotene Unicode-Symbole
Mache ich mich eigentlich schon strafbar, wenn ich in meinem Blog U+5350 oder U+0FD5 schreibe?
Microsoft hatte da auch schon mal Stress mit.
Wikipedia schreibt an anderer Stelle dazu:Dies löste wiederum Proteste aus, damit würden Hindus und Buddhisten benachteiligt und freie Meinungsäußerung durch autoritäre Eingriffe eingeschränkt.
Alles gar nicht so einfach mit den Symbolen, wie das Beispiel Buddhismus zeigt:
Im Buddhismus in China symbolisiert sie das Siegel des Herzens Buddhas oder die Buddha-Natur.
Der Wikipedia-Artikel Unicodeblock Tibetisch sowie der Artikel Unicodeblock Vereinheitlichte CJK-Ideogramme/4E00 bis 5FFF darf diese Zeichen offenbar sogar ausgeschrieben abbilden. Oder hat bloss noch niemand Wikimedia Deutschland deswegen angezeigt?
Ich komme auf das ganze Thema, weil in einer Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung ein Pauschalverdacht geäußert wird, Kinder, die Runen zeichen, hätten automatisch rechtsradikale Eltern. Dazu empfehle ich allen Beteiligten den sehr lehrreichen Film Schwarze Sonne von Rüdiger Sünner, in dem deutlich wird, dass sehr wohl im Nationalsozialismus Runen benutzt wurden, allerdings völlig verquer und verkorkst (Stichwort Runenesoterik).
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